Trend Teilzeitarbeit - Auswirkungen?

In der Schweiz arbeiten heute rund vier von zehn Erwerbstätigen Teilzeit, bei Frauen liegt die Quote sogar bei fast 60 Prozent. Hinter dieser Entwicklung stehen veränderte Werte, der Wunsch nach mehr Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie einer starken Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitenden. Was auf individueller Ebene Flexibilität schafft, kann allerdings erhebliche Konsequenzen für die Alters- und Risikovorsorge haben.

Publiziert: Juli 2026

Sinkt der Beschäftigungsgrad, leidet oft die Vorsorge

Teilzeitarbeit wirkt sich insbesondere auf die ersten zwei Säulen des Schweizer Vorsorgesystems aus. In der AHV führen tiefere Einkommen zu tieferen Beiträgen, was sich bei einem massgeblichen durchschnittlichen Jahreseinkommen von unter CHF 90’000 zu Buche schlägt. Über diesem Wert wird die maximale Altersrente erreicht. Besonders ins Gewicht fällt die berufliche Vorsorge: Der gesetzlich fixe Koordinationsabzug reduziert bei tiefen Pensen den versicherten Lohn überproportional, wodurch Teilzeitangestellte häufig auf einem deutlich kleineren Lohnanteil versichert sind. Knifflig wird es für Personen mit mehreren Teilzeitstellen: Jede Anstellung begründet ein eigenes Vorsorgeverhältnis, oft mit unterschiedlichen Reglementen und Risikoleistungen. Ohne systematische Übersicht ist kaum erkennbar, welche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliditätsleistungen später tatsächlich zur Verfügung stehen und wo Unterdeckungen drohen. Hier lohnt sich eine regelmässige Gesamtsicht im Rahmen der Steuer-, Finanz- oder Vorsorgeplanung.

Private Vorsorge als wichtiger Ausgleich

Wo AHV und Pensionskasse nur begrenzt Spielraum bieten, gewinnt die private Vorsorge – die dritte Säule im Vorsorgesystem – an Bedeutung. Einzahlungen in die Säule 3a sind auch mit Teilzeitpensum im gleichen gesetzlichen Umfang möglich wie bei Vollzeit, sofern eine Pensionskassenpflicht besteht. Wer seine Möglichkeiten konsequent nutzt, kann Vorsorgelücken schrittweise verringern und die Abhängigkeit von den ersten beiden Säulen reduzieren. Bei langem Anlagehorizont lohnen sich aus Renditeüberlegungen Wertschriftenlösungen mit einem hohen Aktienanteil, wobei die Kosten genau zu vergleichen sind. Allfällige Risikolücken können durch flexible Lösungen der gebundenen (Säule 3a) oder freien Vorsorge (Säule 3b) geschlossen werden. Entscheidend ist eine individuelle Strategie, welche Einkommenssituation, Lebens- und Familienphase, Risikofähigkeit sowie -bereitschaft und steuerliche Aspekte gemeinsam berücksichtigt.

Arbeitgeber in der Verantwortung – Vorsorge als Wettbewerbsvorteil

Für Unternehmen verändert der Trend zur Teilzeitarbeit die Perspektive auf Personal- und Vorsorgepolitik grundlegend. Gute Vorsorgebedingungen werden zu einem zentralen Argument im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte und zur Basis langfristiger Mitarbeiterbindung. Arbeitgeber, die Koordinationsabzüge senken oder an das Pensum koppeln, verbessern die Absicherung von Teilzeitangestellten spürbar und setzen ein klares Zeichen der Wertschätzung. Gerade KMU können mit pragmatischen Anpassungen punkten, etwa durch die Wahl einer Pensionskasse mit einem modern gestalteten Vorsorgereglement sowie Möglichkeiten für freiwillige Einkäufe mit Rückgewähr im Todes- oder Invaliditätsfall. Zudem ist eine transparente und verständliche Information zur Vorsorgesituation der Mitarbeitenden ein weiterer wichtiger Mosaikstein. Solche Massnahmen sind nicht nur Kostenfaktoren, sondern investieren in Stabilität, Loyalität und ein glaubwürdiges Arbeitgeberimage.

Frühzeitig planen – auf beiden Seiten

Ob Unternehmerin, Angestellter oder selbständige Fachperson: Wer ein Teilzeitpensum lebt oder plant, sollte die Vorsorgefolgen bewusst einbeziehen. Eine strukturierte Analyse von AHV, Pensionskasse und dritter Säule zeigt, wo Handlungsbedarf besteht und mit welchen Schritten sich Lücken schliessen lassen. Für Unternehmen empfiehlt sich, Vorsorgefragen in die strategische Personalplanung einzubeziehen und sich bei der Ausgestaltung von optimalen Lösungen durch Fachpersonen begleiten zu lassen.

Fazit

Teilzeitarbeit wird auch künftig ein fester Bestandteil des Arbeitsmarkts bleiben. Damit die gewonnene Freiheit nicht auf Kosten der finanziellen Sicherheit geht, sind ein bewusster Umgang mit der eigenen Vorsorge und eine faire, zukunftsorientierte Vorsorgepolitik der Arbeitgebenden gefragt. Treuhand- und Vorsorgeexperten können hier als unabhängige Sparringspartner wertvolle Dienste leisten – für Privatpersonen ebenso wie für KMU, die sich als attraktive Arbeitgeber positionieren wollen.

Ihre Kontaktpersonen

Philipp Riedweg
Philipp Riedweg
Fachleiter Vorsorge und Finanzplanung

dipl. KMU-Finanzexperte
Betriebsökonom FH
MAS Bank Management

Karin Siegenthaler
Karin Siegenthaler
Leiterin Personalmanagement

HR-Fachfrau FA
dipl. Hotelière-Restauratrice HF
BA in Wirtschaftswissenschaften

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