Publiziert: April 2026
Was ist eine Immobilien-Bewertung und wann braucht es diese?
Eine Immobilienbewertung ist eine stichtagsbezogene und objektive Schätzung des Marktwertes einer Liegenschaft unter Berücksichtigung aller wertrelevanten Faktoren. Gründe dafür sind etwa familieninterne Übertragungen, Erbvorbezüge, Erbteilungen, Scheidungen oder Kauf und Verkauf. Gerade bei Übertragungen innerhalb der Familie wird jedoch häufig auf eine fundierte Bewertung verzichtet. Diskussionen treten dann oft erst im Todesfall oder bei einer späteren steuerlichen Beurteilung auf.
Objektbesichtigung ist zwingend
Für einen verlässlichen Wert reicht eine reine Online-Schätzung nicht. Unverzichtbar ist die Besichtigung vor Ort: Zustand, Ausbaustandard, Qualität der Baumaterialien, Aussicht, Besonnung und allfällige Immissionen beeinflussen den Wert wesentlich. Genauso wichtig ist das Aktenstudium. Der Überprüfung des Grundbuchauszuges kommt grosse Bedeutung zu. Wohn- oder Quellenrechte, Nutzniessungen oder Baubeschränkungen sind nur einige Beispiele für wertrelevante Einträge. Die geltenden oder allenfalls zukünftigen Bauvorschriften sind zu beachten. Allfällige Nutzungspotenziale durch eine Ortsplanungsrevision können zu einem markanten Mehrwert führen.
Rechtliche und finanzielle Konsequenzen
Beim Generationenwechsel stellen sich zusätzliche rechtliche und finanzielle Fragen. Eltern möchten oft im Haus wohnen bleiben, gleichzeitig aber alle Kinder gleichbehandeln. Instrumente wie Wohnrechte oder Nutzniessungen, Erbvorbezüge, Ausgleichszahlungen oder Darlehen müssen sorgfältig koordiniert werden. Für die Finanzierung gelten dieselben Kriterien wie bei einem Verkauf an Dritte: Tragbarkeit, Eigenmittel und kalkulatorischer Zinssatz werden von der Bank geprüft. Ohne realistischen Marktwert lassen sich diese Themen nicht seriös berechnen.
Um spätere Diskussionen über eine Anrechnung von konjunkturellem Mehrwert im Nachlass zu verhindern, empfiehlt sich ein Erbvertrag oder die Mitunterzeichnung des Kaufvertrages durch alle Nachkommen. Der gewählte Übertragungswert hat zudem direkte steuerliche Auswirkungen, etwa im Bereich Grundstückgewinn-, Schenkungs- und Erbschaftssteuern. Zu beachten ist weiter der Aspekt des freiwilligen Vermögensverzichts im Zusammenhang mit Ergänzungsleistungen. Er folgt eine Übertragung ohne angemessene Gegenleistung, kann dies den Anspruch auf Ergänzungsleistungen mindern. Die Behörden können den Nachkommen die Liegenschaft zwar nicht wegnehmen, es kann aber zu Rückerstattungspflichten im Nachlass kommen. Eine dokumentierte, nachvollziehbare Bewertung hilft, die Angemessenheit der Gegenleistung zu belegen.
Fazit
Den einzig «richtigen» Marktwert gibt es nicht. Der Experte nähert sich diesem bestmöglich mit anerkannten Methoden, Marktdaten und der Situation vor Ort. Entscheidend sind fachliches Know-how, Unabhängigkeit und lokale Marktkenntnisse. Wer den Generationenwechsel frühzeitig plant, eine fundierte Immobilien-Bewertung erstellen lässt und Steuer-, Rechts- und Finanzfragen vernetzt betrachtet, schafft Klarheit.